Feuerwehrleitung schlägt Alarm: „Es besteht dringender Handlungsbedarf“
Nauheim. Im Rahmen der Sitzung der Gemeindevertretung am Donnerstagabend hat die Leitung der Freiwilligen Feuerwehr Nauheim erneut ausführlich über die aktuelle Situation der Feuerwehr berichtet. Dabei wurde deutlich: Der seit Monaten schwelende Konflikt zwischen Feuerwehr, Verwaltung und Politik ist weiterhin ungelöst.
Aus Sicht der Feuerwehrleitung geht es inzwischen nicht mehr um einzelne offene Punkte, sondern um grundlegende organisatorische, bauliche und sicherheitsrelevante Defizite. „Wir haben mehrfach offen und sehr detailliert über diese Themen berichtet und zu Gesprächen eingeladen. Unterstützung wurde uns mehrfach zugesichert – angekommen ist davon bislang zu wenig“, fasste der Leiter der Feuerwehr, Christian Hartmann, die Situation zusammen. Die Präsentation endete deshalb mit einer klaren Botschaft: Es besteht dringender Handlungsbedarf.
Revision: Mängel aus dem Jahr 2021 noch immer offen
Besonders deutlich wird der Handlungsstau beim Feuerwehrhaus. Bei der aktuellen Revision des Technischen Prüfdienstes wurde festgestellt, dass Mängel aus der Revision des Jahres 2021 weitgehend noch immer nicht behoben sind. Gleichzeitig kamen 2026 weitere Beanstandungen hinzu. Diese betreffen nach Angaben von Hartmann überwiegend bauliche Themen.
Einen wichtigen Unterschied machte die Feuerwehr dabei ausdrücklich deutlich: Die Wartung und Prüfung der Geräte, Fahrzeuge und Einsatzmittel der Feuerwehr blieb ohne jegliche Beanstandung. „Das sind alles Dinge, die wir mit unserem eigenen Personal warten und somit unmittelbar beeinflussen können“. In diesem Zuge dankte Hartmann dem hauptamtlichen Gerätewart Maik Klärner, den ehrenamtlichen Gerätewarten und allen Helfern ausdrücklich für die hervorragende Arbeit.
Auch Beschlüsse und offene Punkte aus der Brandschutzkommission seien bislang nicht ausreichend abgearbeitet worden. Beispielhaft wurde ein Feuerwehrfahrzeug genannt, das wegen eines Schadens am Löschwassertank derzeit nur bedingt einsatzbereit sei. Die Reparatur konnte laut Bericht bislang nicht erfolgen, weil der entsprechende Genehmigungsantrag innerhalb der Verwaltung seit einem Jahr nicht final bearbeitet wurde, weil keine genaue Reparatursumme angegeben werden kann. Positiv vermeldet wurde dagegen die Indienststellung des neuen Kommandowagens, für dessen Freigabe sich Hartmann deutlich bei den Mitgliedern der Gemeindevertretung bedankte.
Kommunikation zwischen Feuerwehr, Verwaltung und Bürgermeister in der Kritik
Deutliche Kritik äußerte die Feuerwehrleitung an der Zusammenarbeit und Kommunikation. Regelmäßige Gesprächstermine mit dem Bürgermeister würden wiederholt abgesagt. Ersatztermine seien nur schwer zu bekommen, teilweise blieben entsprechende Nachfragen unbeantwortet. Hinzu komme, dass angebotene Termine häufig während der regulären Arbeitszeit der ehrenamtlichen Feuerwehrführung lägen, was ein Ding der Unmöglichkeit sei.
Ähnliche Probleme schilderte die Feuerwehrleitung im Verhältnis zur Verwaltung. Termine würden kurzfristig abgesagt oder nicht wahrgenommen, wichtige Informationen verspätet oder erst auf Nachfrage weitergegeben. Besonders kritisch: Ergebnisse zweier Elektroprüfungen seien der Feuerwehr über Monate nicht bekannt gewesen, obwohl dabei laut Präsentation mehrere gravierende Mängel festgestellt worden seien und Lebensgefahr bestanden habe.
Gleichzeitig dauere die Bearbeitung von Genehmigungsanträgen teilweise bis zu vier Monate – auch wenn es um wichtige Einsatzmittel oder Ersatzteile gehe. Selbst der Bearbeitungsstatus müsse wiederholt erfragt werden. Zudem seien privat getätigte Auslagen der Feuerwehrleitung aus dem letzten Jahr teilweise noch offen.
Ehrenamt soll entlastet werden – doch die notwendige Stelle fehlt
Ein zentrales Thema bleibt die von der Feuerwehr seit längerem geforderte Sachbearbeiterstelle für Brand- und Katastrophenschutz. Sie soll die ehrenamtliche Feuerwehrleitung von immer umfangreicheren administrativen Aufgaben entlasten.
Nach Darstellung der Feuerwehrleitung sollte eine entsprechende Beschlussvorlage auf Anraten der Brandschutzkommission bereits zur Sitzung der Gemeindevertretung am 11. Juni eingebracht werden. Dies sei nicht erfolgt. Auch nach einer dringlichen Sondersitzung der Brandschutzkommission habe das Thema erneut auf die Tagesordnung gebracht werden sollen. Verschärft wird die Situation durch die ungeklärte Haushaltslage und den damit verbundenen fehlenden aktuellen Stellenplan.
Die Feuerwehrleitung stellte deshalb die Frage unmissverständlich: „Wie lange soll die Überlastung des Ehrenamtes noch andauern?“
Fehlender Haushalt hat konkrete Folgen für die Feuerwehr
Der seit Jahren fehlende Ergebnishaushalt wirkt sich nach Darstellung der Feuerwehr inzwischen unmittelbar auf die Einsatzorganisation aus. Beschaffungen seien nicht planbar, notwendige Maßnahmen würden aufgeschoben. Genannt wurden unter anderem leichte Einsatzbekleidung, Hitzevorsorge und die Ausstattung für Stabsarbeit.
Als konkrete Fortschritte bezeichnete die Feuerwehrleitung lediglich die derzeitige Bearbeitung der Unterbringung auszugliedernder Werkstätten sowie der Kinderfeuerwehr.
Deutliche Warnung beim Zivil- und Katastrophenschutz
Besonders ernst fiel die Bestandsaufnahme beim Zivilschutz und bei der kommunalen Krisenvorsorge aus. Nach Angaben der Feuerwehrleitung existiert bislang keine mit der operativ-taktischen Ebene abgestimmte Verwaltungsstabsordnung. Die Einsatzbereitschaft des Verwaltungsstabes sei der Feuerwehr nicht bekannt, gemeinsame Übungen fänden nicht statt und ein entsprechender Alarmplan fehle.
Auch die technische Ausstattung des Führungsstabes im Feuerwehrhaus sei nicht ausreichend. Zusätzlich sei die Warnung der Bevölkerung aufgrund der notwendigen Umrüstung der Sirenenempfänger technisch derzeit nicht sichergestellt.
Die Feuerwehrleitung wählte hierfür bewusst drastische Worte: „Wir befinden uns hinsichtlich der Resilienz unserer Kommune in der Steinzeit.“ Gleichzeitig werde immer wieder über die notwendige Absicherung kritischer Infrastruktur diskutiert und Anträge dazu abgelehnt, wie beispielsweise die Einzäunung des Feuerwehrhauses.
Feuerwehr fordert jetzt konkrete Entscheidungen
Der Bericht macht deutlich, dass die Feuerwehrleitung die Diskussion nicht als Auseinandersetzung um Komfort oder zusätzliche Wünsche verstanden wissen will. Im Mittelpunkt stehen aus ihrer Sicht die Einsatzfähigkeit, die Sicherheit der Bevölkerung und die Frage, wie lange administrative Aufgaben in diesem Umfang noch durch Ehrenamtliche aufgefangen werden können.
Die Feuerwehr habe ihre Probleme wiederholt gegenüber Verwaltung und Politik dargestellt, Gespräche angeboten und unter anderem mit einem politischen Frühstück den direkten Austausch gesucht. Darüberhinaus wurden von zwei Personen aus der Feuerwehrleitung, sowie von einem Gerätewart Überlastungsanzeige beim Gemeindevorstand gestellt. Die bisherigen Zusagen hätten jedoch noch nicht zu den notwendigen Veränderungen geführt.
Die zentrale Botschaft des Abends lautete deshalb: Die Zeit weiterer Bestandsaufnahmen und Absichtserklärungen ist aus Sicht der Feuerwehrleitung vorbei. Jetzt müssen aus Gesprächen konkrete Maßnahmen werden.
Auch bei einer schwierigen Haushaltslage dürfe die Sicherheit der Bevölkerung nicht zum Gegenstand dauerhafter Verschiebungen werden. Ebenso müsse die notwendige Entlastung der ehrenamtlichen Feuerwehrführung endlich umgesetzt werden.
„Wir wollen keinen Konflikt um des Konfliktes willen. Wir wollen eine funktionierende Zusammenarbeit und verlässliche Strukturen, damit wir unsere eigentliche Aufgabe erfüllen können: den Schutz der Bürgerinnen und Bürger unserer Gemeinde. Dafür brauchen wir jetzt aber konkrete Entscheidungen und nicht weitere Vertröstungen.“, so Hartmann abschließend.
|
Weitere Nachrichten: |